24. Juni 1990

 

Die Vorrundenspiele in der Gruppe F schließen die Niederlande und Irland punkt- und torgleich ab.

Laut dem Reglement spielt der Erste dieser Gruppe im Achtelfinale gegen Deutschland.

So waltet die 29-jährige italienische Hostess Monique Furiga ihres Amtes und zeigt den Reportern dann das gezogene Los „Niederlande“

 

 

Im Achtelfinale der XIV. Fußball-Weltmeisterschaft stehen sich folglich vor 74.500 Zuschauer im Mailänder Stadio Giuseppe Meazza die beiden Erzrivalen Deutschland und Niederlande gegenüber.

 

In dem von Beginn an hoch emotionalen Spiel bestimmen die Niederländer die Anfangsphase, Aron Winter vergibt zweimal in recht aussichtsreicher Position.

 

Vor allem Rudi Völler ist motiviert, vielleicht sogar ein wenig zu übermotiviert. Er möchte kein zweites Hamburg erleben, als sie vor zwei Jahren bei der Europameisterschaft im eigenen Land im Halbfinale gegen die Niederlande lange geführt und am Ende durch ein Tor von Marco van Basten zwei Minuten vor Schluß ausgeschieden sind.

 

Immer wieder treffen dabei mit Völler und dem niederländischen Mittelfeldspieler Frank Rijkaard genau die beiden richtigen Hitzköpfe aufeinander.

 

So kommt es in der 22. Minute zum ersten großen Höhepunkt. Rijkaard zieht den deutschen Stürmer Rudi Völler mehrfach an den Ohren, weil dieser angeblich unfair gegen den Torwart Hans van Breukelen eingestiegen war. Dabei wird Völler vom Niederländer sogar noch angespuckt. Der argentinische Schiedsrichter Loustau zeigt daraufhin beiden Spielern die Rote Karte; und als sie dann nebeneinander den Platz verlassen wollen, spuckt Rijkaard Völler noch einmal an.

 

Zur Pause steht es noch torlos 0:0 unentschieden.

 

In der 51. Minute wirft sich Jürgen Klinsmann in eine Flanke von Guido Buchwald und bringt Deutschland mit 1:0 in Führung.

 

Fünf Minuten vor Schluß erhöht der Mailänder Andreas Brehme mit einem wahren Kunstschuß ins lange Ecke auf 2:0.

 

Eine Minute vor Schluß bekommen die Niederländer einen Foulelfmeter zugesprochen, den Ronald Koeman unhaltbar für Bodo Illgner zum Anschlusstreffer verwandelt.

 

Die Niederländer drängen in den verbleibenden Minuten die deutsche Verteidigung zwar noch einmal stark in die Defensive, ohne das Tor von Illgner jedoch ernsthaft gefährden zu können.

 

Beim Schlusspfiff steht es 2:1 für Deutschland.

 

 

Deutschland:

Bodo Illgner (1. FC Köln) – Klaus Augenthaler (Bayern München), Thomas Berthold (AS Rom), Jürgen Kohler (Bayern München), Stefan Reuter (Bayern München), Guido Buchwald (VfB Stuttgart), Andreas Brehme (Inter Mailand), Pierre Littbarski (1. FC Köln), Lothar Matthäus (Inter Mailand), Rudi Völler (AS Rom), Jürgen Klinsmann (Inter Mailand) [ab 77. Karl-Heinz Riedle (Werder Bremen)]

[Trainer: Franz Beckenbauer]

 

 

Niederlande:

Hans van Breukelen (PSV Eindhoven) – Ronal Koemann, Frank Rijkaard, Jan Wouters, Adri van Tiggelen, van Aerle [ab 66. Kieft], Aron Winter, Witschge [ab 78. Gillhaus], van t´Schip, Marco van Basten, Ruud Gullit

[Trainer: Leo Beenhakker]

 

 

 

Im deutschen Mannschaftshotel steigt an diesem Abend eine riesige Siegesfeier. Teamchef Franz Beckenbauer ruft seine Spieler zusammen und verkündet: „Um drei Uhr ist Bettruhe, aber vorher treffen wir uns noch für eine halbe Stunde an der Hotelbar.“ Schließlich wird es sechs Uhr morgens, und Beckenbauer ist stets mittendrin

 

(Frank.Winkler1960@gmx.de)